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Wie ich zum Tragen gekommen bin – und warum es mein Leben verändert hat

Als ich mit unserem ersten Kind, unserer Tochter Mina, schwanger war, haben wir das getan, was wohl die meisten Eltern tun: Wir haben nach einem passenden Kinderwagen gesucht. Wir entschieden uns für ein gebrauchtes Modell, welches preislich immer noch hoch lag. Aber da es ohne Kinderwagen ja nicht geht (das dachten wir zumindest), war das Geld aus unserer Sicht gut investiert.

Innerhalb weniger Tage nach Minas Geburt hatten wir zuhause bereits bemerkt, dass sie am liebsten Körperkontakt zu uns hat und nicht gerne abgelegt wird. Aufgrund einiger unruhiger Nächte suchten wir Wege zur Beruhigung unserer Tochter und merkten, dass das beste bzw. einzigste Beruhigungsmittel das Tragetuch war. Besonders Nachts war Mina innerhalb weniger Sekunden nach dem festen Einwickeln ins Tuch zufrieden und schlief ein. Wir merkten, dass ihr die Enge des Tuches und die Nähe zu uns enorm gut tat.

  Die Bindeweise noch etwas unbeholfen – aber geborgen und glücklich

 

Trotzdem wollten wir natürlich bald mal “raus auf die Strasse” – denn wie sollten wir uns in der Stadt mit Baby sonst auch fortbewegen?

Wir scheiterten allerdings grandios. Die erste Schwierigkeit bestand schon darin, Mina überhaupt in den Kinderwagen hineinzulegen. Allein das Ablegen in dieses ihr unbekannte Körbchen war ein Problem. Sie hatte Angst in ihren Augen. Trotzdem starteten wir ein paar Versuche. Wenn sie erst mal draußen ist, würde es ihr bestimmt gefallen. Ich dachte an all die guten Tipps, die man so erhält, z.B. aus dem Geburtsvorbereitungskurs: ein lustiges Gebaumel über dem Kind am Kinderwagen, ein “Schmusetuch” mit Mamas Duft unter das Babyköpfchen oder eine Begrenzung an den Füßen mittels einer kleinen zusammengerollten Decke.

Kinderwagen – keine Chance

Wir packten sie also möglichst schnell ein, fuhren mit dem Aufzug runter und raus an die frische Luft. Was soll ich sagen – JEDESMAL schrie Mina, hatte panische Angst in den Augen und liess sich auch durch Schmusetuch, Gebaumel, Begrenzung oder den Versuch der Schnullergabe nicht beruhigen. Wir drehten jedesmal noch vor der der nächsten Strassenkreuzung um und machten uns schnellstmöglich auf den Heimweg. Wir brachten es nicht übers Herz sie weiter zu schieben, in der Hoffnung sie würde sich beruhigen.

Für mich war nach diesen Erlebnissen nicht so ganz klar, wie es jetzt weitergehen sollte. Scheinbar mochte sie den Kinderwagen nicht. Das gab mir etwas zu denken – denn jedes Kind in meinem Umfeld lag scheinbar zufrieden im Kinderwagen.

Kaum bei uns auf dem Arm oder im Tuch, war  wieder alles in Ordnung.

Zu meiner ersten Verabredung “ausserhalb” – also in einem Cafe –  mit den anderen Mamas aus dem Geburtsvorbereitungskurs bin ich aus diesem Grund mit dem Auto gefahren. Ich dachte, ich trage meine ca. 4 Wochen alte Tochter dann einfach in der Autositz-Babyschale zum Cafe. Das Straßenbild wurde schließlich geprägt von Kindern im Kinderwagen oder einer Autositz-Babyschale.

Blöderweise hatte ich vor dem Cafe keinen Parkplatz gefunden und musste ca. 200 Meter laufen. Ich schleppte also meine Tochter in der Babyschale ca. 200 Meter zum Cafe – und weiß seither ganz genau wo mein Beckenboden liegt. Dieser machte sich auf diesem langen Weg leider äusserst schmerzlich bemerkbar.

Warum nicht einfach….tragen ?

Ich war nicht auf die Idee gekommen, mein Baby einfach auf meinen Arm zu nehmen oder im Tragetuch zu tragen.

Weshalb eigentlich nicht? Im Nachhinein denke ich, weil es mir so vorgelebt wurde. Mir wurde vorgelebt, dass Babys zum Transport entweder im Kinderwagen geschoben oder in einem Autositz getragen werden.

Meinem Beckenboden zuliebe war für mich nach diesem Erlebnis jedenfalls klar, dass ich den Autositz nicht weiter als Transporthilfe verwenden werde.

Das war mein persönliches Schlüsselerlebnis, das mich zum Tragen gebracht und vom Kinderwagen entfernt hat. Wir haben daraufhin den Kinderwagen ausschließlich zum Einkaufstransport verwendet, die Babyschale als Autositz und unsere Tochter im Tragetuch getragen.

Mittlerweile weiß ich, dass viele Babys sich im Kinderwagen nicht wohlfühlen. Warum es ganz natürlich ist, dass Kinder den Kinderwagen verweigern, habe ich hier geschrieben.

Mir wurde immer klarer, dass mein Baby getragen werden wollte, weil es sein natürliches Bedürfnis ist. Ein bisschen komisch kam mir zwar vor, dass mein Kind das einzige Tragebaby im Umkreis war, aber durch einige Google-Suchen war ich tatsächlich auf ein Forum gestoßen, in welchem sich viele Trageeltern befanden. Hier wurde sich zu meiner Überraschung und Freude sogar über verschiedene Tücher, Tragehilfen und Bindeweisen ausgetauscht und eine neue Welt eröffnete sich mir. Hier wurden Babys und Kleinkinder sogar nicht nur “aus Not” getragen, sondern weil es als die natürlichste Variante der Fortbewegung mit Babys erachtet wurde. Und weil Tragen als “Bedürfnis” von Babys erachtet wurde.

Ab diesem Moment fühlte ich mich aufgehoben und verstanden mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen der Bedürfnisse meiner Tochter. Und natürlich auch mit meiner Art der Bedürfniserfüllung durch das Schenken von Nähe, Geborgenheit und Sicherheit durch das Tragen.

Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten

Nach und nach lernte ich dann über das Forum auch gleich- oder ähnlich gesinnte Familien persönlich kennen – der Vorteil des Lebens in einer Großstadt. Nach sieben Jahren und einem zweiten Kind bin ich nach wie vor mit ein paar dieser Familien in Kontakt und bin unglaublich dankbar darüber, dieses Forum und auch Gleichgesinnte vor Ort gefunden zu haben. Innerhalb der letzten Jahre hatten sich unsere Kontakte tatsächlich hauptsächlich auf Familien mit ähnlichen Erfahrungen, Einstellungen und Ansichten in Bezug auf die “Kindererziehung” intensiviert – denn das Tragen wurde nicht hinterfragt oder entsprechend negativ kommentiert, genauso wenig wie andere Aspekte des Umgangs mit meinen Kindern, sei es Windelfrei, Langzeitstillen oder Familienbett.

Im Gegenteil, Begrifflichkeiten wie Attachment Parenting oder das Continuum Concept waren allen bekannt und allein diese Tatsache machte das Zusammensein einfach und angenehm.

 

 

Ganz ehrlich: ich bin sowas von dankbar ähnlich denkende Menschen gefunden zu haben – ohne sie wäre es vermutlich ziemlich schwierig geworden die Bedürfnisse meiner Tochter zu erfüllen.

Warum? Weil ich immer wieder Zweifel aufgrund der gesellschaftlichen Denkweisen gehabt hätte. Gerade beim ersten Kind wird einem so viel ungefragt erzählt, es wird beobachtet und kommentiert – nicht nur von der Gesellschaft, auch von Ärzten, die oftmals leider noch völlig veraltetes Wissen wiedergeben. In Bezug auf das Tragen durfte ich mir z.B. von unserem damaligen Kinderarzt die alte Geschichte über Wirbelsäulenschäden anhören.

Über meine Tochter und ihren immensen Wunsch getragen zu werden, bin ich in eine für mich damals völlig neue Welt eingetaucht. Und ich bin unglaublich dankbar dafür, welch neue Ansichten, Möglichkeiten, Erfahrungen und Begegnungen sich mir seither eröffnet haben.

Wie bist Du zum Tragen gekommen? War von Anfang an klar, dass Du Dein Kind trägst oder war es genauso wenig geplant wie bei mir? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Herzlichst,

Sabine

 

Hilfreiche Links:

http://www.rabeneltern.org/

http://community.rabeneltern.org/

http://www.stillen-und-tragen.de/forum/

Treffen in München:

http://www.diekleinenraben.org/

https://www.facebook.com/familienbaum/

 

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