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Veganer versus Nicht-Veganer – Warum wir uns mit großem Respekt begegnen sollten

Ich bin kein Veganer. Ich bin auch kein Semi-Vegetarier. Und Flexitarier bin ich auch nicht. Genausowenig wie Frutarier oder Rohköstler. Ich mag mich nicht einreihen in eine der Ernährungsklassen. Ich mag mich und meine Familie einfach gesund ernähren und Spass daran haben.

Und zwar so gesund, dass es uns gut tut.

Wer es trotzdem unbedingt wissen möchte: Ich bin wohl das, was man landläufig als Vegetarier bezeichnet. Zu einem großen Teil ernähre ich mich vegan – grob geschätzt sind es wohl 80 Prozent, mit einem möglichst hohen Rohkostanteil. Weil es mir gut tut. Weil es meiner Familie gut tut.

Und ich freue mich, dass ich einen Weg der Ernährung gefunden habe, der uns gut tut. Endlich. Ich fühle mich rundum wohl, bin energiegeladen und voller Lebensfreude.

Manchmal wird die Freude über meine Ernährungsform allerdings etwas getrübt.

Druck zur Rechtfertigung

Ich erlebe das, wenn ich das Gefühl habe, mich vor Mitmenschen für meine Ernährungsform rechtfertigen zu müssen. Und damit meine ich hauptsächlich Mitmenschen, die zu 100 Prozent eine andere Ernährungsform gewählt haben. Nicht falsch verstehen – ich bewundere es, wenn Menschen ihre Ernährung zu 100 Prozent auf eine bestimmte Form umstellen können. Denn ich habe es lange versucht und nicht geschafft. Ich habe gemerkt, dass es nicht zu unserer Familie passt und für uns einen anderen Weg gefunden, der ideal zu unserem Leben passt.

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Ich habe jedoch schon einige Male erleben dürfen, dass ich für meine “nicht konsequent vegane” Ernährungsweise verurteilt werde. Vor allem, wenn es um meine Kinder geht. Ich verbiete meinen Kindern nicht Fleisch zu essen. Wenn wir irgendwo zu Besuch sind und dort Fleisch angeboten wird, dürfen sie zugreifen. Genauso kaufe ich meiner Tochter den Bio-Schinken, den sie sich einmal pro Woche wünscht.

Ja, ich würde es gerne anders sehen – aber ich respektiere ihren Wunsch. Sie weiß, dass ich kein Fleisch esse und sie kennt größtenteils auch meine Gründe dafür. Trotzdem wünscht sie sich ab und an Fleisch auf dem Teller und für mich ist das in Ordnung so. Sie wird eines Tages  noch besser meine Hintergründe verstehen können und dann vielleicht kein Fleisch mehr essen – oder sich bewusst für den Genuss von Fleisch entscheiden. Aber ich werde es ihr und meinem Sohn nicht verbieten – ich persönlich sehe keinen Grund dafür.

Ich möchte mich dafür nicht rechtfertigen müssen. Wir ernähren uns so gesund wie noch nie zuvor. Warum soll ich mich dafür rechtfertigen? Weil ich nicht in eine Sparte passe? Weil wegen meinem Kind ein Tier gestorben ist? Das mag sein.

Perspektivenwechsel

Ich sehe es aus einer anderen Perspektive.

Ich sehe uns vor einigen Jahren, als der Fleisch- und Zuckerkonsum innerhalb unserer Familie um ein Vielfaches höher war. Beides liegt derzeit bei einem Bruchteil unserer früheren Ernährungsgewohnheiten.

Warum soll ich mich deswegen schlecht fühlen? Nur weil ich etwas nicht Hundertprozent mache? Weil ich angeblich nicht voll und ganz dahinter stehe?

Wir sind Individuen

Jeder Mensch ist anders. Wir sind alles Individuen. Wir haben alle unterschiedliches Erbgut, haben eine verschiedenartige Erziehung genossen und ganz individuelle Erfahrungen im Leben machen dürfen. Jeder Mensch ist individuell – genauso wie seine Ernährungsweise. Wie kann ich mir herausnehmen, über die Ernährungsform eines Anderen zu urteilen? Was weiß ich über diesen Menschen?

Nicht dass ich die leichtfertige “Verurteilung” anderer Menschen von mir nicht kennen würde. Ich bin immer mal wieder unter Menschen, die sich allem Anschein nach weder über ethische noch über gesundheitliche Auswirkungen ihrer Ernährung Gedanken machen. Aber: wohlgemerkt “allem Anschein nach”.

Vielleicht haben diese Menschen ja auch schon versucht, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern und haben es nicht geschafft? Vielleicht “sündigen” sie gerade in diesem Moment und ernähren sich sonst ganz anders?

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Wenn sie sich aber tatsächlich so ernähren, wie sie es gerade in diesem Moment tun – so ganz anders als wir es tun- was sagt uns das? Dass sie schlechte Menschen sind? Dass sie kein Mitgefühl haben? Dass sie Tierquäler sind? Das sie ihre Kinder schlecht ernähren? Das sie mutwillig den Klimawandel in Kauf nehmen?

Keine Ahnung

Vielleicht haben sie einfach keine Ahnung. Keine Ahnung davon, welches Leid ein Tier heutzutage vor und während der Schlachtung erleidet. Keine Ahnung von den Auswirkungen des hohen Fleischkonsums unserer Gesellschaft auf das Klima oder den Hunger in der Welt? Keine Ahnung davon, dass Kühe für die Milchproduktion unzählige Kälber zur Welt bringen müssen? Keine Ahnung, dass wir die Muttermilch einer anderen Spezies trinken? Keine Ahnung, dass Milchprodukte für viele Beschwerden verantwortlich sein können? Ich könnte noch so vieles mehr aufzählen – was ich sagen will, ist, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass viele Menschen tatsächlich KEINE AHNUNG haben von all diesen Dingen.

Diese Ahnungslosigkeit Menschen vorzuwerfen halte ich für wenig sinnvoll. Wir übernehmen vieles aus unserer Kindheit, unserer Erziehung und aus purer Unwissenheit. Die Fleisch- und Milchindustrie ist zum Beispiel nicht gerade für ihre Transparenz der Öffentlichkeit gegenüber bekannt. Es ist durchaus möglich, dass Menschen von vielen der o.g. Tatsachen wirklich KEINE AHNUNG haben.

Ich hatte auch lange KEINE AHNUNG.

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Menschen anhand ihrer Ernährungsform zu verurteilen und es ihnen auf die Nase zu binden, finde ich daher wenig sinnvoll und nicht zielführend. Zielführend?

Minderwertigkeitsgefühle

Einige Leute haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Mitmenschen von ihren Ernährungsgewohnheiten überzeugen zu wollen.

Auf Biegen und Brechen. Mit aller Gewalt und ohne Blatt vor dem Mund.

Da werden zum Beispiel nicht-vegane Menschen als Menschen ohne Mitgefühl, Tierquäler, Umweltsünder und noch viel Schlimmeres bezeichnet. Und ich spreche jetzt nicht vom Aufeinandertreffen im World Wide Web, sondern im persönlichen Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Ernährungsformen.

Ich selbst durfte mir das schon anhören. Ich als Vegetarier. Als Fast-Veganer.

Ich hab mich schlecht gefühlt. Minderwertig.

Minderwertig, weil ich es nicht schaffe, ganz vegan zu leben. Dann lass ich es doch lieber gleich bleiben.

Ja – da war Wut.

Druck erzeugt Gegendruck. Ganz massiv.

Ich finde, das ist der falsche Weg.

Belehrungsversuche sind zum Scheitern verurteilt

Ich habe einen tollen Weg gefunden, mich und meine Familie gesund zu ernähren und Freude daran zu haben.

Aber ich lasse mich nicht in eine Schublade stecken nur um der Schublade Willen.

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Und ich lasse mich nicht als Mensch ohne Mitgefühl bezeichnen.

Denn ich habe sehr wohl Mitgefühl. Mitgefühl mit den leidenden Tieren.

Aber auch Mitgefühl mit mir, weil ich nicht in der Lage bin mich zu 100% so zu ernähren wie ich es selbst manchmal gerne hätte. Ich habe beschlossen, dass es so für uns passt- ich bin nicht perfekt und da ist gut so.

Und ich habe Mitgefühl mit den Menschen, die mich als solche bezeichnen….denn sie wissen nicht, dass es einen anderen Weg gäbe, mein Interesse zu wecken.

Denn so stoßen sie mich leider nur von sich weg – wie so viele andere, die sich gedemütigt und unter Druck gesetzt fühlen.

Ist das zielführend? Mitmenschen ihrer Ernährungsform wegen zu demütigen? Ob das wohl dazu führt, dass sich diese Mitmenschen dann Gedanken machen über ihre Ernährungsform? Wohl eher nicht.

Wir lernen, wenn wir es wollen und nicht wenn wir dazu gezwungen werden.

Sich schlecht und minderwertig zu fühlen ist sicherlich keine gute Ausgangslage, um zu beginnen, sich mit einer anderen Ernährungsform und deren eventueller Vorteile auseinanderzusetzen.

Ich will mich nicht schlecht fühlen 
  • Ich will mich nicht schlecht fühlen, weil ich es zulasse, dass meine Tochter einmal die Woche ein Schinkenbrot isst.
  • Ich will mich nicht schlecht fühlen, weil ich mir für die Pizza nicht-veganen Käse gekauft habe, da der Bio-Laden 3 km entfernt ist und ich mit müdem Kind unterwegs war.
  • Ich will mich nicht schlecht fühlen, weil ich es im Supermarkt oft nicht hinbekomme, die Kinder an allem nicht-veganen vorbeizuschleusen.

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Ich will mich gut fühlen
  • Ich will mich gut fühlen, weil ich es geschafft habe auf Fleisch und zu einem sehr großen Teil auf Milchprodukte zu verzichten
  • Ich will mich gut fühlen, weil wir leckere gesunde Rezepte kreieren und immer wieder Neues lernen.
  • Ich will mich gut fühlen, weil ich es endlich geschafft habe, mich von der Zuckersucht zu befreien.
  • Ich will mich gut fühlen, weil wir endlich viel gesünder und energiegeladener sind.

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Egal welcher Ernährungsform Du angehörst: Lass uns tolerant gegenüber sein und uns gegenseitig stärken.

Der Eine kann doch von dem Anderen so vieles lernen. Jeder hat seine Erfahrungen machen dürfen und kann diese als Unterstützung und Hilfestellung weitergeben, wenn das gewünscht ist.

Vorleben statt Vorgeben

Ein guter Start wäre, seine eigene Ernährungsweise vorzuleben. Vorzuleben und zu zeigen, wie gut sie einem tut. Was sich alles zum Positiven verändert hat. Und was sich dadurch eventuell für die Umwelt zum Positiven verändern kann. Ohne Belehrung und nicht ungefragt.

Gegenseitiger Respekt vor den individuellen Erfahrungen des Gegenübers sind eine gute Ausgangslage, um miteinander auf Augenhöhe zu kommunizieren. Um Freude an der eigenen Ernährungsform zu verbreiten.

Warum sich nicht einfach wegsetzen, wenn man es nicht ertragen kann, dass der Sitznachbar ein Schinkenbrot isst? Entweder ein paar Meter weiter oder gleich an einen anderen Ort. Denn wenn es jemand nur erdulden kann, ausschließlich von Menschen gleichartiger Ernährungsform umgeben zu sein, sollte  er vielleicht eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen und Zeit mit diesen verbringen. Anstatt andere Menschen ihrer Ernährungsform wegen zu demütigen. Denn das bringt weder uns, noch unseren Mitmenschen, noch den Tieren oder der Umwelt einen Mehrwert. 

 

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Ich bin mir ganz sicher, dass gegenseitiger Respekt, Austausch von Erfahrungen und sich gegenseitig Mut zusprechen viel zielführender ist.

Also egal welcher Ernährungsform Du nun zugehörig bist, lass uns im Umgang miteinander respektvoll sein und von unseren individuellen Erfahrungen profitieren. Nur dadurch kommen wir weiter und können – wenn wir das so wollen – vielleicht ein Stück weit die Welt verändern.

Siehst Du das auch so? Oder bist Du anderer Meinung? Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen!

Hinterlass mir doch einen Kommentar, ich freu mich drauf!

Alles Liebe,

Sabine

 

Wenn Dir der Beitrag gefällt, freue ich mich sehr, wenn Du ihm ein Like schenkst und teilst- vielen Dank  

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6 comments

  1. Jacqueline says:

    Danke für diesen wunderbaren Artikel, deine Sicht und deine Gefühle! Jeder steht woanders, jeder will etwas anderes, jeder braucht etwas anderes, und jeder gibt auf seine ganz eigene, ihm bestimmte Weise seinen Teil fürs große Ganze. Wenn wir mit den Augen des Herzens sehen, können wir alles lassen, wie es ist. Es ist unsere Aufgabe, zu erkennen, dass wir in keine Schublade passen müssen, weil wir, ob wir wollen oder nicht, einzigartig sind, mit allenVorlieben und Bedürfnissen. Ich persönlich esse, genauso wie ich lebe – bedürfnisorientiert.

  2. Tabea says:

    Hallo Sabine,

    was für ein erfrischender Artikel.

    Meine Familie und ich leben omnivor – aber man höre und staune – wir essen tatsächlich auch Gemüse 😉 – manchmal sogar roh! Und der Bioladen mit dem schick den wir uns ab und an gönnen ist halt vegan – er liegt halt auf unserer Route.

    Ja – mir ist es tatsächlich dann passiert, dass ich mit Fleischtüte in der Hand und Kind mit Fleischwurststück in der Hand im Laden waren. Und die Wurst fiel auf den Boden. *Loch wo bist du wenn man dich braucht*

    Inzwischen geht meine Route lieber umgekehrt – auch wenn niemand was gesagt hat. Mag nicht, dass jemandem vom Wurstgeruch vielleicht schlecht werden muss. So weit hätte ich ohne das verrückte Erlebnis nie gedacht.

    Manchmal hab ich an mir gezweifelt – ob ich lieber etwas veganer oder vegetarischer leben sollte. Leider stößt mich der Geschmack von vielen Alternativen echt ab ….und nein – danke – ich schmecke das Soja auch, wenn der Rest noch so doll gewürzt ist.

    Ja – ich finde es toll, wenn wir mit viel Offenheit gegenüber einander leben 🙂

  3. Anna says:

    Hallo Sabine.
    Der Beitrag gefällt mir! Ich hatte selbst auch eine ganze Weile das Gefühl mich vor anderen rechtfertigen zu müssen, weil ich ab und an mal Gelüste auf Käse hatte oder ein Stück nicht vegane Schokolade gegessen habe. Ich wollte einfach unbedingt vegan essen, aber hatte immer wieder Rückfalle. Daraus habe ich mir selbst unglaublichen Druck gemacht. Wenn ich mich dann noch rechtfertigen musste, war das der Horror. Nachdem ich mir dann gesagt habe, dass es okay ist, ging es viel leichter. Jetzt macht mir gesunde vegane Ernährung wieder richtig Spaß! Aber wenn ich doch mal ein Stück Käse essen würde, wäre das auch kein Beinbruch 🙂
    Ich finde aber, dass man sich nicht nur vor Veganern rechtfertigen muss. Bei mir waren es oft die Fleischesser, denen ich lang und breit erklären musste, wie es denn sein kann, dass ich eigentlich vegan esse und dann doch Käse gegessen habe. Oder eben das ich vegan esse und mich dafür rechtfertigen muss. Ich weiß nicht, warum man nicht jedem nach seinem Gusto essen lassen kann. Mehr Respekt, wäre wirklich klasse!
    Liebe Grüße
    Anna

    • Sabine says:

      Hallo Anna, vielen Dank für das Schildern Deiner Erfahrungen! Du hast recht – am schönsten wäre es, sich vor niemandem rechtfertigen zu müssen, egal welcher Ernährungsform dieser angehört. Einfach Leben und leben lassen 🙂

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