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Die Geschichte der Windel – ein Blick in die Vergangenheit

Zu Babys gehören Windeln. Windeln sind heutzutage aus der westlichen Gesellschaft schlichtweg nicht wegzudenken. Oder?

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, seit wann es eigentlich Windeln dieser Form – also Wegwerfwindeln – gibt? Und wie Kinder früher gewickelt wurden? Wurden sie überhaupt gewickelt? 

Da meine Tochter sehr früh signalisiert hatte, dass sie Windeln speziell für das große Geschäft stören, habe ich sehr früh damit begonnen mir über Windeln und deren Geschichte Gedanken zu machen.

Ein Blick zurück in die Vergangenheit

Lass uns einen Blick speziell auf die Vergangenheit unserer westlichen Gesellschaft werfen: Es gibt tatsächlich sehr wenige detaillierte Informationen über die Wickelpraktiken früherer Zeiten, was zum großen Teil daran liegen mag, dass Kindheit in der westlichen Gesellschaft lange Zeit keine Rolle spielte. Generell wurde der Kindheit bis ins 18. Jahrhundert keine spezielle Aufmerksamkeit geschenkt – Erziehungsratgeber sind zum Beispiel erst im 19. Jahrhundert erschienen.

Überlieferungen zufolge wurden Säuglinge im Mittelalter noch mehrmals am Tag gebadet und in Tücher gewickelt. Diese Wickel umfassten den ganzen Körper, ließen sich aber leicht und schnell auswickeln und dem Kind wurde Gelegenheit gegeben, frei zu strampeln. Zum Ende des ersten Lebensjahres band man den Wickel nur noch um den halben Körper, um den Ärmchen Freiraum zu geben. Trocken wurden Kinder damals in ihrem eigenen Rhythmus in langen Kleidchen, unter welchen sie nackt waren. Die Ausscheidungen wurden entweder draußen verrichtet oder man kehrte sie zusammen mit heißer Asche weg.

Strammes Wickeln

Im 17. und 18. Jahrhundert hielt sich der Gedanke, dass der Säugling stramm gewickelt werden muss. Dem Baby sollte auf diesem Weg die Möglichkeit gegeben werden, eine gerade Gestalt anzunehmen und anständig laufen zulernen. Es bestand Sorge – ähnlich wie wohl schon in der Antike– dass er dann ähnlich dem Tier auf allen Vieren laufen würde und der Körper sich verformen könne. Generell ging man davon aus, dass der Körper sich nach der Geburt leicht verformen könne und wollte dieser scheinbaren Tatsache mit dem strammen Wickeln Einhalt gebieten.

Säuglinge wurden also gleich nach der Geburt von den Füßen bis zu den Schultern in enge Wickel geschnürt. Das Köpfchen wurde durch eine ständig getragene Haube geschützt. Erst mit ca. 1,5 Monaten durften die Ärmchen tagsüber aus dem Wickel. Die tagtägliche Wickelpraxis wurde erst nach etwa einem Dreiviertel Jahr gelockert.

Schmutz heilt

Die Kinder wurden zu dieser Zeit nur sehr selten gewaschen und gesäubert. Auch wurden die nassen oder verschmutzen Tücher nicht ausgewaschen, sondern getrocknet und wiederverwendet. Die Haut der Babys wurde nur getrocknet, aber nicht gewaschen. Das hatte den Grund, dass man an die desinfizierenden Eigenschaften von Urin glaubte. Generell glaubte man teils bis nach dem Ersten Weltkrieg an die Heilkraft von Urin, Schmutz und Exkrementen – dieser Glaube bestand vor allem bei der einfachen Landbevölkerung.

Sinnvolle Notwendigkeit der strammen Wickel 

Das Wickeln war auch überaus praktisch für die Landbevölkerung. Es war teils bis zum Ersten Weltkrieg gängige Praxis, Babys während der Feldarbeit in stramme Wickel zu binden und in Körben oder Säcken mit einem Nagel an die Wand zu hängen, um es vor den Haustieren zu schützen. Diese lebten früher in der Regel mit im Wohnraum.

Abschaffung der Wickel

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Stimmen laut, das enge Wickeln abzuschaffen. Frauen und Ammen wurde vorgeworfen, schlicht aus Bequemlichkeit aufs Einwickeln der Kinder zurückzugreifen. Babys in Wickeln waren wohl tatsächlich ruhiger und leichter zu handhaben als strampelnde Kinder und mussten aufgrund des komplizierten Auswickelns nicht ständig gesäubert werden. Ausserdem berichteten Ärzte von Missbildungen bei Kindern, die lange Zeit zu stramm gewickelt wurden.

Einzug der Hygiene

Mit der Einführung und Empfehlung vermehrter Hygienevorschriften Ende des 18. Jahrhunderts wich nach und nach der Glaube an die heilende Wirkung von Schmutz und Exkrementen.

Säuglinge wurden daraufhin und vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt gebadet, gesäubert und gewickelt. Der Windelbereich des Babys wurde nicht mehr nur getrocknet, sondern mit Wasser und Seife gewaschen und die Windeln durch z.B. heißes Bügeln sterilisiert

Auch die Kleidung und Wickelpraxis änderte sich- Säuglinge trugen Hemdchen, Kleidchen Hosen und Windeln aus Hanf oder Leinen. Wickel kamen nach wie vor zum Einsatz, allerdings in der Regel nur noch in Form eines Wickeltuchs, welches unter den Achseln über die Kleidung gewickelt wurde.

Die revolutionäre Erfindung der Wegwerfwindeln

1959 entwickelte die amerikanische Firma Procter and Gamble den Vorreiter der heutigen Wegwerfwindel: ein Plastikhöschen mit einer dichten Baumwolleinlage. 

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Seit den 70er Jahren sind die Wegwerfwindeln, wie wir sie heute noch kennen, in Europa weit verbreitet. Und seither fast nicht mehr wegzudenken aus dem täglichen Umgang mit Babys und Kleinkindern.

Schwer zu glauben, dass Babys noch vor nicht allzu langer Zeit nur in Stoff gewickelt wurden, oder?

Wie wickelst Du Dein Kind? In Wegwerfwindeln, Stoffwindeln oder praktizierst Du windelfrei? Schreib mir gerne einen Kommentar, ich freu mich drauf! 

Herzlichst,

Deine Sabine 

 

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Quellen und Buchempfehlungen:

Baby, Säugling, Wickelkind – Eine Kulturgeschichte*

Es geht auch ohne Windeln!*

 

 

 

 

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